Copyright Artothek Noe, Foto: Mathias Swoboda

Kunst

Die unterschiedlichen stilistischen Richtungen der niederösterreichischen Künstler nach 1945 bis heute, der Pluralismus in der Kunst, spiegelt sich in den Werken der Artothek. Man findet gestisch-abstrakte Arbeiten ebenso wie traditionelle Landschaftsgemälde, monochrome Bilder ebenso wie neorealistische Tendenzen.

Die Artothek verleiht u. a. Kunstwerke von Eva Afuhs, Ona B., Peter Bischof, Dietmar Brehm, Wulf Bugatti, Wolfgang Denk, Stefan Emmelmann, Bernd Fasching, Adolf Frohner, Agnes Fuchs, Clemens Fürtler, Johann Fruhmann, Gerhard Gepp, Robert Hammerstiel, Daniela Hantsch, Barbara Höller, Richard Jurtitsch, Franz Kaindl, Karl Korab, Leopold Kogler, Elke Krystufek, Lisa Kunit, Rudolf Leitner-Gründberg, Felix Malnig, Christian Hutzinger, Nina Maron, Hermann Nitsch, Walpurga Ortag-Glanzer, Heliane Wiesauer-Reiterer, Emi Rendl-Denk, Paul Rotterdam, Gabriele Schöne, Charlotte Seyerl, Walter Vopava, Sebastian Weissenbacher, Robert Zeppl-Sperl, Gerlind Zeilner, Herwig Zens u.a.m.

Überblick und Einflüsse der Malerei nach 1945 in NÖ

Der Zweite Weltkrieg war eine tiefe Zäsur in der Malerei. Nach Jahren der Isolation hatten die Künstler einen Nachholbedarf. Nach 1945 machte sich trotz der wirtschaftlichen Not eine neue Gesinnung bemerkbar. Es wurden Vorbilder gesucht in jenen Künstlern, die in der vergangenen Epoche verfolgt worden waren oder im Ausland gelebt hatten. Expressionismus und Surrealismus, die vorher in Österreich nicht geschätzt wurden, gewannen an Bedeutung. Durch die Gründung des Internationalen „Art Clubs“ durch Albert Paris Gütersloh begann eine intensive Auseinandersetzung mit der internationalen Moderne und der zeitgenössischen Kunst. Von großer Bedeutung waren auch die neu gegründeten Vereinigungen wie der „Neue Hagenbund“ und „Der Kreis“. Eine Leitfigur in der Malerei nach dem Krieg war Herbert Boeckl, er übernahm provisorisch die Geschäfte des Rektors der Akademie der bildenden Künste in Wien und wirkte als Professor. Auch Josef Dobrowsky lehrte an der Akademie, er vertrat eine expressive Richtung und auch er war für die Schüler ein wichtiger Impulsgeber.

Reduktion und Formenvereinfachung, kubistische Formensprache, einfache Flächenteilungen, vegetabil-geometrische Formen, impressionistische Ausdrucksformen, expressionistische Formen, als auch ein traditioneller Naturalismus waren Ausdrucksformen der späten Vierziger und frühen fünfziger Jahre. Einige Maler dieser Zeit waren Franz Bilko, Leopold Birstinger, Hans Böhler, Rudolf Buchner, Karl Cizek, Franz Elsner, Hans Essinger, Carl Fahringer, Margarethe Freist, Gustav Hessing, Florian Jakowitsch, Oskar Matulla, Maria Ohmeyer, Sergius Pauser, Heribert Potuznik, Otto Riedel, Emil Rizek, Josef Schulz, Ferdinand Stransky, Carl Unger und Josef Weinwurm.

Eine Gruppe von Malern, darunter Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, der Gründer dieser surrealistischen Gruppe, Wolfgang Hutter, Fritz Janschka und Edgar Jené traten Ende der fünfziger Jahre unter der Bezeichnung „Phantastischer Realismus“ an die Öffentlichkeit. Hauptanliegen dieser Malerei waren Gegenständlichkeit und die Metapher, eine hintergründige Ausdeutung literarischer Inhalte. Auch Josef Bramer, Erich Brauer, Anton Lehmden, Franz Luby, Kurt Mikula, Peter Klitsch, Karl Korab und Peter Proksch nutzten die Möglichkeiten dieser phantastischen Richtung.

Mit Niederösterreich verbunden waren Anfang der Sechziger Jahre wichtige Vertreter des Wiener Aktionismus. Adolf Frohner stammt aus dem Weinviertel, Arnulf Rainer aus Baden und Hermann Nitsch, der Gründer des Orgien-Mysterien-Theaters, erwarb das Schloß Prinzersdorf. Kennzeichnend für diese Künstler sind der offene Umgang mit Sexualität und Gewalt und religiöse und moralische Tabuverletzungen.

Die Sechziger Jahre waren die große Zeit der abstrakten und gegenstandslosen Kunst in der Malerei. Führungspersönlichkeiten der „Abstrakten“ waren Wolfgang Hollegha, Josef Mikl und Arnulf Rainer. Weitere Vertreter dieser Richtung waren Peter Bischof, Theo Braun, Inge Dick, Norbert Fleischmann, Johann Fruhmann, Kurt Ingerl und Hildegard Joos.

In den frühen siebziger Jahren kam die „Neue Gegenständlichkeit“ zum Durchbruch. Es wurde der menschliche Körper ins Zentrum der Darstellung gestellt, nicht in seiner schönen, jugendlichen oder idealisierten Form, sondern fern aller Ästhetik. Deformierungen, Verrenkungen, alt Gewordenes wurden in den Vordergrund gestellt, wie z. B. bei Adolf Frohner, der die Brutalisierung der Frau zum Hauptthema seines Schaffens machte. Die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper war auch für Künstler wie Wolfgang Bergner, Robert Hammerstiel, Robert Herfert, Gerhard Kaiser, Herbert Kirchler, Franz Schwarzinger, Magdalena Steiner, Kurt Welther, Günther Wieland, Heliane Wiesauer-Reiterer und Herwig Zens ein wesentlicher Faktor ihrer künstlerischen Tätigkeit.

In den späten Siebziger und Anfang der achtziger Jahre entstand die so genannte „Wilde Malerei“, die das Unmittelbare des Malens zum Hauptanliegen machte. Die Malerei als solche nahm die zentrale Rolle in der Bildwerdung ein. Wichtige Vertreter waren Gunter Damisch, Josef Danner,  Roman Scheidl,  Walter Vopava u. a.

Unter den niederösterreichischen Künstler kristallisiert sich derzeit eine eher malerische Haltung heraus. Feststellbar sind eine Gewichtung in Richtung Ausdruck des inneren Erlebnisses, eine Vorliebe für große Formate und die Freude am Ungang mit der Farbe.

Literatur:
Franz Kaindl, Malerei in Niederösterreich 1918-1988, St. Pölten 1988
Franz Kaindl, Oskar Matulla, Malerei in NÖ 1900-1975, Wiener Neustadt - St. Peter an der Sperr 1975
Franz Kaindl, Karl Gutkas, Österreichische Malerei nach 1945, St. Pölten 1979
Carl Aigner, Alexandra Schantl, Markus Brüderlin, Kunst nach 1945, St. Pölten 2002