Weissenbacher, Sebastian
Der Babysitter
,1998,
Öl, Acryl/Leinwand,
140 x
140 cm
"Sebastian Weissenbacher malt, wie der Hofnarr blödelt: ganz seriös, still, ruhig, zurückhaltend und 'sachlich', so dass niemand denken kann, dass seine Bilder und Skulpturen nicht 'seriös', nicht ernsthaft gemeint sein könnten. Und eben deswegen ist der Betrachter verunsichert, weil er mit dieser Ernsthaftigkeit einfach nicht gerechnet hat, mit dieser - scheinbar - 'gutwilligen', 'einfachen' künstlerischen Ehrlichkeit nichts anfangen kann. Entweder glaubt er dem Künstler nicht, dass er so dumm ist, dass er einen so schlechten Humor hat, wie es seine Bilder suggerieren und wird deswegen misstrauisch. Oder er ist frustriert, da er glaubt, dass er die eigentliche Bedeutung der Bilder und Skulpturen nicht versteht, dass also er der Blöde ist, der die tieferen Botschaften und Symbole nicht entdecken kann. Misstrauen oder Frustration, Verunsicherung oder selbstbewußte Ablehnung, Kritik oder Selbstkritik begleiten die Wahrnehmung Weissenbachers Bilder, obwohl der Prozess mit dem Lachen beginnt. Vielleicht ist gerade dieses Lachen die adäquate Haltung, welche die intellektuellen Überlegungen nicht ausschließt, sondern im Gegenteil mit gesunden, spontanen Gefühlen bereichert." (Lóránd Hegyi:"Sebastian Weissenbachers sanfte Provokationen", in: Sebastian Weissenbacher. Das Goldene Zeitalter, Ausst.Kat. Kärntner Landesgalerie, Klagenfurt 2000)

Weissenbacher, Sebastian
Bozen
,1995,
Öl, Acryl/Leinwand,
51 x
60 cm
Was Weissenbacher uns zeigt, sind Bilder von Bildern, nicht Bilder von Tieren oder Landschaften, sondern Bilder einer künstlichen Natur, in denen die Illusion des Raumes zum Beispiel durch extreme Schattenzeichnungen oder undefinierbare Raumlöcher zerstört wird. Weissenbacher zeigt uns also keinen Realismus, obwohl seine Bilder große Affinität zu Fotorealismen haben. Alles was abgebildet ist, entstammt letztlich bereits einer Abbildung, in der die Realität einer Verfremdung unterzogen wurde. Die meisten Darstellungen sind Postkarten, alten Fotos, Werbeprospekten oder der Warenwelt entnommen. Sie zeigen lediglich Transformationen der Natur und nicht ihre Gesamtheit, reduzieren sie auf einen Aspekt. Die Betonung liegt auf dem Lieblichen und Dümmlichen der Tierwelt und bei seinen Landschaften auf dem Aspekt des Idyllischen. Die Natur wird an die Grenze des Kitsches geführt. Doch genau diese Bildwelt umgibt uns in unserer Konsumgesellschaft. Postkarten oder das Weltbild, das uns durch das Fernsehen präsentiert wird, zeigt alles in verzerrter Weise. Gerade in der Überlagerung mehrerer kitschiger Motive blauer Himmel, weiße Schäfchen, rote Rosengirlanden wird offenbar, daß Weissenbachers Bilder trotz aller Merkmale des Kitsches kein Kitsch mehr sind, sondern ein ernst zu nehmender Beitrag zum Sehverhalten unserer Gesellschaft und zu unserem Umgang mit der Natur. Indem Weissenbacher Bilder von Landschaften auf einer Ebene gestaltet, vervielfacht er den Verfremdungsprozeß, stellte den Anspruch der Landschaft, Landschaft zu sein in Frage und macht die Ernsthaftigkeit unserer fehlgelenkten Realitätsbewußtseins deutlich. (Gabriele Bösch)
