Navratil, Walter
Stillife with hair
Radierung,
61 x
81 cm
Navratil war Sohn des berühmten Leo Navratil, der in der Nervenklinik Gugging Patienten wie Oswald Tschirtner, Johann Hausner oder Ernst Herbeck als Künstler entdeckte und damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Art Brut in Österreich leistete.
Walter Navratils Kunst ist von mehreren Einflüssen geprägt, die auch im Stillife with Hair abzulesen sind: einerseits kann eine Verwandtschaft zu den Gugginger Künstlern an den Wortspielen mit Begriffen wie Mama/Papa/Oma usw. abgelesen werden; ebenso ähneln sich die einfache Wiedergabe der Objekte und der etwas krakelige Strich. Andererseits schafft das absurde Bildthema auch eine Nähe zum Surrealismus: die Elemente des Stillebens werden scheinbar unmotiviert mit Haaren versehen. Typisch für Navratil ist auch, dass er aus dem Fundus der altägyptischen Malerei schöpft: so ist sein Bild eine Kombination zwischen Aufsicht und Frontalansicht: der Untergrund, die Platte mit den Fischen und die Zigarettenschachtel werden von oben wiedergegeben, Flasche und Gläser hingegen von vorne. Trotz aller Einflüsse gewinnt Navratil dem Stilleben, einem sehr traditionellen Genre, eine witzige, gleichzeitig irritierende und ganz eigenständige Note ab.
